Einleitung zu Paraschat Toldot

MIt dieser Parascha beginnt also die Geschichte des dritten – und letzten – Stammvaters: Jaaqov. Jaaqov wird in der Tora am ausführlichsten dargestellt (Par. Toldot, Par. Wajeze und Par. Wajischlach!). Allerdings steht in dieser Parascha noch das Verhältnis von Jaaqov zu seinem Zwillingsbruder Esaw im Mittelpunkt. In der Auseinandersetzung zwischen den beiden Brüdern ist vor allem Rivqa, die Mutter, die alles entscheidende Person, die das Geschick zu lenken versucht. Sie hat ja von Anfang an mitbekommen („der Ewige hat es ihr gesagt…“), dass der Jüngere die wesentliche Rolle in der weiteren Geschichte spielen soll.

Der Charakter Jaaqovs: Jaaqov wird in der Tora nicht als eine moralische Lichtgestalt dargestellt (anders als Avraham, über den jeder Zweifel erhaben ist). Jaaqov überlistet seinen Bruder, er lügt seinen Vater an (und später übervorteilt er auch seinen Schwiegervater Lavan). Mit diesen Schilderungen haben sich unsere Ausleger immer wieder schwergetan. Schließlich ist Jaaqov unser Stammvater, und nicht zuletzt wurden diese Texte im Mittelalter von den Christen auch immer wieder „zum Beweis“ dafür genommen, dass Juden Betrüger seien. Weshalb unsere mittelalterlichen Ausleger oft einen anderen Weg gegangen sind und in Jaaqov und Esaw das Grundverhältnis der Juden zu ihrer Umwelt gesehen und vor allem Esaw als den brachialen Verbrechertyp verstanden haben, gegen den sich Jaaqov zur Wehr setzen musste. Auf der anderen Seite kann man gerade in Jaaqov das Menschliche erkennen, das dadurch ausgezeichnet ist, dass man in seinem (moralischen) Verhalten nicht unangefochten ist. Die Geschichte von Jaaqov und Esaw erzählt insofern von „ganz normalen“ Familienauseinandersetzungen, die allerdings in einem größeren Zusammenhang plötzlich eine wichtige Bedeutung erhalten können: Jaaqov ist der Begründer Jisraels!

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