Einleitung zu Paraschat Wajeze

In dieser Parascha wird die Geschichte von unserem Stammvater Jaaqov weitererzählt. Jaaqov reist nach Mesopotamien, in die Heimat seiner Mutter Rivqa. Dort trifft er seinen Onkel Lavan, heiratet dessen beiden Töchter Lea und Rachel und bekommt im Laufe der Zeit elf Söhne (vom zwölften erzählt die nächste Parascha) von vier Frauen. Er trennt sich wieder von Lavan und reist zurück nach Kenaan, seiner Heimat. Damit hat Jaaqov die Basis für das Volk Jisrael gelegt. Denn aus den zwölf Söhnen Jaaqovs gehen später die zwölf Stämme Jisraels hervor, die zusammen das Volk Jisrael bilden.

Deshalb ist es besonders interessant, wie die Geschichte von der Volkwerdung Jisraels erzählt wird. Es ist nämlich nicht einfach eine Abfolge von verschiedenen Ereignissen, sondern es ist eine dramatische Geschichte. Jaaqov wird immer wieder von seinem Onkel Lavan übervorteilt: Will Jaaqov zunächst Rachel zur Frau haben und arbeitet dafür sieben Jahre für Lavan, so bekommt er am Ende nur die Schwester Lea zur Frau und muss für Rachel weitere sieben Jahre arbeiten. Die gesamte Jaaqov-Erzählung ist also keine „Heiligenlegende“, sondern eine Geschichte aus dem Leben, wo es um Trug, Vorteilnahme und Lüge geht. Diesen Weg muss Jaaqov selbst gehen, auch wenn G“tt ihm seinen Beistand zuspricht. Aber G“tt ebnet Jaaqov keineswegs den Weg, damit dieser bequem seine Bestimmung erfüllen kann.

Das bedeutet also, dass Jisrael von Anfang an mitten im Leben der Völker stand, angewiesen auf andere, angefeindet von anderen, Verträge mit anderen schließend, um miteinander leben zu können. Dass Jisrael von G“tt „erwählt“ worden ist, hat also nichts von dieser Lebenswirklichkeit genommen, zumindest erzählt uns die Tora von diesem ganz normalen Leben, in dem Jisrael allenfalls dadurch ausgezeichnet ist, dass es weiß, wozu es die Dinge macht: Jaaqov ist der Beistand G“ttes zugesagt und Jaaqov ist G“tt verpflichtet.

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