Einleitung zu Paraschat Wajeschev

Von dieser Parascha an wird die Josefsgeschichte erzählt, Josef rückt nun ins Zentrum des Geschehens. Diese Geschichte ist für den gesamten Aufbau der Tora sehr wichtig, da Josef es ist, der die Stammväter wieder mit Ägypten verbindet, und Ägypten ist die Voraussetzung für Befreiung und Gesetzgebung am Berg Sinai, die Voraussetzung also für die Identität des Judentums. Damit gehen wir also mit großen Schritten auf die Volkwerdung Jisraels zu, die ja von den Stämmen – den Söhnen Jaaqovs – bereits „physisch“ geschehen ist. Nun machen wir einen weiteren Schritt auf die „mentale oder geistige“ Volkwerdung.

In dieser Parascha fallen vor allem die Träume auf. Nirgendwo wird soviel geträumt wie in dieser und der nächsten Parascha. Was bedeuten die Träume? Natürlich sind es die Mittel, mit denen G“tt in die Geschichte selbst eingreifen kann. Aber es lässt sich noch ein weiterer Aspekt erkennen: Durch die Träume – und zwar als Spinnerei eines dummen Jungen, nicht als g“ttliche Kundgebungen – wird erst das möglich, was in den Träumen selbst angedeutet ist: Josef wird nach Ägypten verkauft, und die Brüder werden in Ägypten sich tief verbeugen müssen, um dort Anschluss an die Geschichte zu finden. Von seiten der Brüder dargestellt: Nur weil die Brüder den g“ttlichen Wink in den Träumen nicht erkennen, reagieren sie überaus menschlich und machen aber dadurch genau das, was dem „g“ttlichen Plan“ entspricht. Um die Geschichte also dorthin zu führen, wo sie hinführen sollte, mussten die Brüder ganz und gar so reagieren, wie es unseren ethischen Vorstellungen nicht eben entspricht.

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