Einleitung zu Paraschat Mikez

In dieser Parascha wird das Motiv des Traumes weiter ausgeführt. Denn wiederum mit Hilfe dieses Motivs kommt Josef aus dem Gefängnis frei und wird vor den Pharao geführt, dem er seine Träume deuten kann. Waren Josefs Träume noch der Grund dafür, dass seine Brüder ihn nach Ägypten verkauften (denn sie nahmen die Träume des Josef ernst und fühlten sich ihm gegenüber unterlegen!), sind nun die Träume des Pharao der Grund dafür, dass die Familie Josefs wieder zusammen gebracht wird. Denn nur mit Hilfe der Traumdeutung wird Josef Herrscher über Ägypten und wird so unmittelbarer Ansprechpartner für die Brüder, die wegen der Hungersnot nach Ägypten kommen.
Aber weshalb gibt sich Josef nicht sofort zu erkennen? Josef spielt im Gegenteil ein grausames Spiel mit den Brüdern, indem er sie immer wieder in Angst und Schrecken versetzt. Zuerst gibt er ihnen ihr Geld wieder heimlich zurück, so dass sie vor der zweiten Reise nach Ägypten Angst haben, als Diebe angeprangert zu werden. Das zweite Mal wird dem jüngsten Sohn, Benjamin, ein silberner Becher untergeschoben, so dass es so aussieht, als habe ihn Benjamin gestohlen, ausgerechnet derjenige unter den Söhnen, für den sich Jehuda bei seinem Vater verbürgt hatte. Die Antwort auf die Frage, weshalb Josef das alles tut, wird in dieser Parascha bereits angedeutet, aber in der nächsten erst voll ausgeführt. Es geht um die Schuld, die die Brüder auf sich geladen haben, als sie Josef nach Ägypten verkauft hatten. Am Ende dieser Parascha deutet Jehuda dies bereits an. Josef erwartet nicht nur, dass sich seine Träume erfüllen (die Brüder verbeugen sich vor ihm!), sondern dass sich seine Brüder ihrer Schuld bewusst werden und dies auch offen zugeben.

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