Einleitung in Paraschat Schemot

Mit dem Buch Schemot beginnt in mehrfacher Weise eine neue Geschichte. Von der Erzählung her geht nun viel Zeit ins Land, die Brüder Josefs sind gestorben, Josef schon lange, niemand erinnert sich mehr an die Taten Josefs. Einschneidender kann ein Neubeginn kaum sein. Aber auch an einem einzigen Wort macht es sich deutlich: Von nun an wird von den „Jisraeliten“ oder den „Kindern Jisraels“ geschrieben, und eben nicht mehr von dem und dem einzelnen Stammvater. Das Augenmerk ist auf das ganze Volk und seine Geschicke gerichtet. Die Geschichte Mosches ist in diese größere Geschichte eingebunden und auf sie hin ausgerichtet. Mosche wird nur erwählt, um das Volk aus der Knechtschaft zu führen. Das ist der große Unterschied zum ersten Buch: Dort ging es noch um die Geschehnisse der einzelnen Stammeltern selbst, sie waren selbst erwählt und ihnen ist selbst Land und Nachkommenschaft zugesagt worden. Auf dieser Grundlage lebt das zweite und alle weiteren Bücher der Tora, sie sind die Voraussetzung für die „Volks“geschichte Jisraels. Insofern ist die Figur des Mosche eine völlig andere als die der Stammväter: Mosche hat einen klaren Auftrag, den hat er auszuführen. Ihm selbst wird zunächst nichts zugesprochen oder versprochen. Ein Unterschied besteht auch darin, dass sich Mosche gegen diesen Auftrag wehrt und tausend Ausflüchte hat, um dem Auftrag zu entgehen. Das „Hinneni“, das „Hier bin ich“, wie er es am Dornbusch ausspricht und das so häufig in den Stammelternerzählungen vorkommt (Avraham!), erhält hier einen starken Vorbehalt. Es ist eben nicht mehr das vorbehaltlose avrahamische „Hier bin ich“ und du kannst jetzt mit mir machen, was du willst. Jetzt, da es darum geht, dass ein ganzes Volk G“tt gegenüberstehen soll, wird das Verhältnis sehr viel schwieriger, aufbegehrend. Und das beginnt schon bei Mosche.

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