Einleitung zu Paraschat Waera

Mit dieser Parascha beginnt die Plagenerzählung, die in der nächsten Parascha, der Parascha Bo, fortgesetzt wird und in der übernächsten Parascha, der Parascha Beschalach, in der Meerwundererzählung ihren Höhepunkt und Abschluss erfährt. Diese drei Paraschijot sind für das Selbstverständnis des Judentums eminent wichtig. Denn hier wird davon erzählt, wie sich die „Kinder Jisraels“ zusammenfinden und langsam zu einer Größe werden, die sich gegen andere Völker behaupten kann. Die Sklaven Ägyptens, die unter der Knute der Ägypter leiden und nur noch Sinn dafür haben, wie sie die Arbeitsbedingungen meistern können, bekommen eine Identität, sie werden „wer“ und können so aufbegehren und schließlich als eine eigenständige Größe einen eigenen Weg in eine eigene Zukunft einschlagen. Genau darum geht es in der Plagenerzählung, auch wenn sie über weite Strecken langatmig und redundant (sich stets wiederholend) wirkt. Jisrael soll zu einem Subjekt der Geschichte werden!
Das Judentum hat diese wichtige Erkenntnis sogar mit einem eigenen Fest bedacht und ein eigenes Buch dazu zusammengestellt: Pesach ist das erste wichtige „Wallfahrtsfest“ (der Schelosch Regalim) und gedenkt auf diese Weise seiner eigenen „Geburtsstunde“. In der Haggada schel Pesach, die zuhause an Pesach gelesen wird, wird denn auch das gesamte Auszugsgeschehen in der jüdischen Tradition widergespiegelt und immer und immer wieder neu beleuchtet.

Schreib einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *