Einleitung zu Paraschat Bo

Diese Parascha ist die unmittelbare Fortsetzung der vorangegangenen. Thema sind also nach wie vor „die Plagen“, die allerdings mit dem Thema „Pesach“ verbunden werden. Der Auszug aus Mizrajim und Pesach: das gehört unmittelbar zusammen. Und ging es bei den Plagen, wie das letzte Mal besprochen, vor allem darum, dass das Volk Jisrael ein erstes Mal eine Identität finden soll, indem es sich von Mizrajim unterscheidet und sich absetzt, so erhält es nun genau dafür ein eigenes Fest. Denn was ist das Besondere an diesem Fest? Dass man mit dem Blut des geschlachteten Lammes die Türpfosten einschmieren soll, damit – so wird in der nächsten Parascha erzählt – der „Todesengel“, der alle Erstgeborenen erschlagen soll, an den Häusern Jisraels vorbeiziehen kann. Das Fest gewissermaßen zur Unterscheidung, und damit zur Identitätsfindung.

Aber es wird nicht nur erzählt, wie die Jisraeliten das Fest an diesem 14. Nisan vorbereiten und feiern sollen, sondern es wird sofort mitgegeben, dass dieses Fest jedes Jahr gefeiert werden soll, wenn sie einmal im Land Jisrael sein werden. Das Fest wird also, sobald es angeordnet wird, von seinem historischen Kern entkontextualisiert, was so viel bedeutet, dass das Fest kein Fest sein soll, mit dem man einem historischen Ereignis huldigt, also rückwärtsgewand ist, sondern es steht gleichzeitig auch für sich selbst. Die Jisraeliten (und später die Juden) sollen sich ihrer Identität als Volk bewusst werden, egal wo sie leben. Dieser Charakter ist besonders an diesem Fest ausgeprägt.

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