Einleitung zu Paraschat Tezawe

Nachdem Anweisungen für das Heiligtum und die Gerätschaften des Heiligtums gegeben worden sind, stehen nun die Kohanim, die Priester, im Mittelpunkt dieser Parascha. Zunächst geht es um die verschiedenen Kleidungsstücke sowohl des Kohen Gadol als auch des normalen Kohen, in diesem Fall: Aharon und seine Söhne als normale Kohanim. Diese Kleidung soll natürlich auf eine besondere Weise mit besonderen Materialien gefertigt werden. Weshalb legt die Parascha einen so großen Wert auf die Beschreibung der Kleidungsstücke, die immerhin so kompliziert ist, dass es gar nicht einfach ist, sich ein Bild von den Kleidungsstücken zu machen (zumindest sind sich die Kommentatoren nicht immer einig, wie sie auszusehen haben). Die Antwort hierauf gibt Raschi. Raschi kommentiert nämlich zu dem Vers: „Die Glöckchen am Gewand des Kohen müssen klingeln, wenn der Kohen Gadol in das Allerheiligste tritt. Denn sonst muss er sterben.“ Raschi sagt hierzu: Der Kohen muss alle seine Kleider vorschriftsmäßig angelegt haben, da er sonst sterben muss.“ Raschi bezieht also dieses Sterbenmüssen nicht nur auf die Glöckchen, sondern auf die Kleidung insgesamt. Es ist die Kleidung, die den Kohen in Schuld fallen lässt, wenn er sie nicht ordnungsgemäß angezogen hat. Und dies wiederum liegt daran, dass jeder Mensch zunächst gleich Mensch ist, egal welchen Status er einnimmt. Aber ein Kohen wird nur dadurch Kohen, indem er sich entsprechend kleidet. Nicht eine besondere Charakterstärke oder -eigenschaft, nicht eine besondere Religiosität macht den Kohen zum Kohen und damit für das Heiligtum tauglich, sondern allein seine Kleidung, die er sich anlegt. Aus heutiger Sicht könnte man einwenden: Das ist aber doch recht oberflächlich! Es geht um das Heiligtum G“ttes, und die, die den Dienst hier verrichten dürfen, unterscheiden sich letztlich nur durch die Kleidung. Dem ist aber entgegenzuhalten, dass es weniger oberflächlich gedacht ist, als es auf den ersten Blick erscheint. Denn die Tora weiß sehr genau um das Fehlverhalten derer, die eine besondere Verantwortung übernehmen. Denn schon die Söhne Nadav und Avihu gehen in religiös überschäumendem Eifer so weit, dass sie sich nicht ganz einfach an die Regeln halten, sondern ein Sonderopfer bringen wollen (im Buch Wajiqra erzählt). Sie berufen sich auf die „inneren Werte“, durch die sie sich berufen fühlen, mehr zu tun, als vorgeschrieben ist. Aber alles, was sich auf das eigene Gefühl, auf den eigenen Eifer, auf die eigene Religiosität beruft, ist nicht kontrollierbar. Jeder kann sich auf sein Inneres berufen. Es ist von sich aus keine Qualität, die einen Dienst am Heiligtum rechtfertigen könnte. Deshalb der ganz einfache Verweis auf die Kleidung. Der Kohen muss ganz einfach die Dinge tun, die vorgeschrieben sind, dann gibt es keinen emotionalen oder individuellen Überschuss an Tatendrang, der etwas noch heiliger machen könnte. Die Tauglichkeit für die Heiligkeit kann nicht an die subjektive, weil innere „Wertigkeit“ des Kohen gebunden sein. In diesem Fall würde G“tt seinen eigenen Heiligkeitsbegriff an die Menschen abgeben. Und wohin das führt, zeigen immer wieder in der Geschichte die ganzen Eiferer, die stets selbst wussten, was heilig ist.

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