Einleitung zu Paraschat Ki Tissa

In dieser Parascha kommt noch einmal der erzählerische Duktus heraus. Es gibt einige Vorschriften zum Heiligtum (kupfernes Becken, Salböl und Räucherwerk), und auch zum Ende der Parascha hin werden noch einmal allgemeine Vorschriften erlassen. Aber dazwischen befindet sich die Erzählung vom Goldenen Kalb und wie Mosche die Tafeln des Zehnworts zerschmettert, anschließend auch die Erzählung, wie Mosche die Herrlichkeit G“ttes auf dem Berg sehen darf. Was ist das Besondere an diesen eingeschobenen Erzählungen? Dazu ist es interessant, einmal zu sehen, in welchem Kontext diese Erzählungen stehen: Rundherum geht es ausschließlich um den Bau des Heiligtums und um den Dienst der Kohanim. Vor der Erzählung vom Goldenen Kalb zählt G“tt Mosche auf, wie man alles ausführen soll, in der nächsten Parascha (Wajaqhel) wird ausgeführt, wie Mosche den Bauleuten die Anweisungen gibt. Es geht also um das Heiligtum. Das Heiligtum selbst ist der Ort, an dem G“tt dem Volk „nahe“ ist, biblisch gesprochen: wo G“tt unter den Kindern Jisraels „wohnt“. Wenn man genau darauf achtet, so thematisiert die Erzählung vom Goldenen Kalb ebenfalls eine Nähe: Der Götze Goldenes Kalb steht mitten unter ihnen und die Jisraeliten tanzen um ihn herum, in der Nähe baut Aharon einen Altar und es soll eine Feier geben. Nach dieser Beschreibung geht es also den Jisraeliten darum, eine Nähe zu generieren, die durch die Abwesenheit Mosches (und damit G“ttes) notwendig geworden ist. Wenn man diese Parallelität von Heiligtum und Goldenem Kalb sieht, dann fällt erst auf, worauf sich die jisraelitische Religion eingelassen hat, mittels Heiligtum eine Nähe G“ttes zu versprechen. Denn grundsätzlich ist es Sache der Götzen, „nahe“ zu sein. Wenn also in der Tora durch das Heiligtum G“tt dem Volk „nahe“ sein soll, dann muss sie sehr darauf bedacht sein, mit einer „Götzennähe“ nicht verwechselt zu werden. Und der wesentliche Unterschied zwischen Nähe und Nähe besteht genau darin, dass die Tora einen immensen Aufwand betreibt, wie das Heilige vom Profanen getrennt bleibt, obwohl beides sehr eng zusammenrückt. Im Heiligtum kann eben nicht jeder irgendwie hereinspazieren. Die Errichtung des Heiligtums und der Dienst der Kohanim soll gerade garantieren, dass die „Nähe G“ttes“ gewissermaßen eine „unberührte“ bleibt. Das Heilige und das Profane bleiben in ihrer Integrität bestehen. Anders beim Goldenen Kalb. Das steht eben mitten im Lager herum, es ist lediglich ein umgeformter Goldschmuck, der nun nicht mehr an den Ohren der Frauen hängt, sondern in der Mitte des Lagers herumsteht. Damit gehört das Goldene Kalb in den profanen Bereich und ist nicht in der Lage, einen heiligen Raum zu konstituieren. Daran kann man erkennen, welche Relevanz die Kapitel vom Heiligtum und von den Kohanim in der Tora zukommen. Sie sollen uns in die Lage versetzen, die Nähe G“ttes nicht „obszön“ umzudeuten und keine Nähe zu postulieren, wo ein kumpelhaftes Einvernehmen gemeint ist.

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