Einleitung zu Paraschat Tasria

Mit den nächsten zwei Paraschijot (Tasria und Mezora), die meistens auch zusammen gelesen werden, beginnt ein neues Thema, obwohl es eigentlich gar nicht so weit entfernt ist von dem, was bisher behandelt worden ist. Bisher ging es hauptsächlich um Opfer. Wer welche Opfer in das Heiligtum (Wohnung Gottes) bringt, wie der Kohen (Priester) die Opfer genau darzubringen hat. Nun geht es um all die Fälle, die verhindern, dass man zum Heiligtum gehen kann. Denn die Vorstellung ist ja, dass das Heiligtum nicht einfach nur heilig ist, sondern es ist auch kultisch betrachtet „rein“. Heiligkeit und Reinheit gehören sehr eng zusammen. Man kann sogar sagen, dass die Reinheit das Heiligtum erst heilig macht. Dabei meint „Reinheit“ nicht Hygiene, es geht also nicht um Sauberkeit! Reinheit bedeutet hier vielmehr das, was für das Heiligtum tauglich ist. Und weil das Heiligtum ein ganz besonderer Ort ist, der nicht einfach überall sein kann, ist natürlich auch nicht einfach alles für diesen Ort tauglich. Man muss also unterscheiden: Zwischen einem heiligen und einem nichtheiligen Ort, zwischen Dingen und Menschen, die für den heiligen Ort tauglich sind, und Dingen und Menschen, die für diesen Ort nicht tauglich sind. In dieser Parascha geht es genau um all die Menschen, die für das Heiligtum nicht tauglich sind. Die Kinder Jisraels dürfen, wenn sie keine Kohanim sind, ohnehin nicht in das Heiligtum, in den heiligsten Bezirk. Aber sie dürfen zum Heiligtum immer nur dann, wenn sie rein sind, also die Voraussetzungen erfüllen, zum Heiligtum zu gehen. Nach der heutigen Parascha sind das, neben den „Aussätzigen“, in erster Linie die Frauen, die geboren haben. Sie sind vorübergehend nicht „rein“ und somit nicht tauglich, zum Heiligtum zu gehen. Grund ist hier ganz einfach das Blut durch die Geburt (Wochenfluss). Blut wird auch in der nächsten Parascha eine große Rolle spielen. Vaginales Blut und männlicher Samen gehören zu den Grundelementen, die über Rein und Unrein, über tauglich fürs Heiligtum oder nicht tauglich fürs Heiligtum entscheiden. Vielleicht liegt das ganz einfach daran, dass beides – vaginales Blut und männlicher Samen – die Elemente sind, die an die Zeugung neuen Lebens erinnern oder Bedingung dafür sind und damit an das erste Gebot erinnern: Seid fruchtbar und vermehrt euch. Dieses Gebot ist aber das profanste, das weltlichste Gebot überhaupt und ist der Schöpfung um ihrer selbst willen und nicht um Gottes willen gegeben (deshalb auch allen Menschen gegeben und nicht nur den Kindern Jisraels!). Dieses Gebot hat also ganz und gar nichts mit dem Heiligtum, mit dem Heiligen, mit G“tt zu tun, ganz im Gegenteil: Sobald irgendetwas an dieses Gebot erinnert, ist der Mensch für das Heiligtum verboten!

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