Paraschat Balak

Der König von Moav ruft Bilam

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Die Kinder Jisraels zogen also durch die Wüste, bis sie in die Nähe des Jarden, gegenüber von Jericho kamen. Dort ließen sie sich wieder einmal nieder.

Das sah aber Balaq, der König von Moav. Denn er hatte ganz in der Nähe sein Reich, und er fürchtete um seine Felder und Äcker, da die Jisraeliten so zahlreich waren. Deshalb schickte er zu Bil´am und bat ihn, dass er zu ihm kommen möge, um dieses fremde Volk zu verfluchen. Denn er hoffte, dass er das Volk der Jisraeliten besiegen könnte, wenn Bil´am zuvor einen schrecklichen Fluch über es ausgesprochen hat.

So zogen also die Boten von Balaq fort. Im Gepäck hatten sie natürlich reichlich Wahrsagerlohn, um Bil´am nicht nur mit schönen Worten, sondern auch mit harter Münze zu überzeugen.

Als sie bei Bilam angekommen waren, da richteten sie ihm alle die Worte aus, die Balaq ihnen aufgetragen hatte.

Bil´am sagte aber nur: „Ihr könnt über Nacht bei mir bleiben. Ich muss erst hören, was der Ewige dazu sagt.“

In der Nacht kam aber G“tt zu Bilam. Und da trug Bil´am vor, was die Männer von ihm wollten. Aber G“tt erwiderte: „Nein, geh nicht mit den Männern. Du darfst dieses Volk nicht verfluchen, denn dieses Volk ist gesegnet.“

Am anderen Morgen sagte Bil´am zu den Boten: „Geht heim. Der Ewige hat es nicht zugelassen, dass ich mit euch gehe.“ Da gingen die Boten wieder zu Balaq zurück und berichteten ihm alles, was Bil´am gesagt hatte.

Das konnte Balaq nicht auf sich sitzen lassen. Deshalb schickte er noch einmal vornehme Männer zu Bil´am, die dasselbe erbitten sollten.

Als diese Männer bei Bil´am angekommen waren, redeten sie ganz würdevoll auf ihn ein und baten ihn, zu Balaq zu kommen, um ihm dieses fremde Volk zu verfluchen. Da sagte Bil´am den Boten: „Auch wenn euer König mir alles Silber und alles Gold der Welt verspräche, so kann ich doch nicht den Befehl des Ewigen missachten. Aber bleibt über Nacht bei mir. Ich werde auch in dieser Nacht den Ewigen fragen, was er zu dem allen sagt.“
Wieder kam G“tt in der Nacht zu Bil´am und sagte ihm: „Nu, Bil´am, wenn die Männer gekommen sind, um dich zu Balaq einzuladen, dann mach dich auf und geh mit ihnen. Aber merk dir eines: Nur das, was ich dir sagen werde, darfst du tun.“

Und so stand Bil´am am anderen Morgen auf und vermeldete den Boten, dass er mitkommen würde.

Bilams Eselin

Und am Morgen stand Bilam auf und sattelte seine Eselin und zog mit den Boten Balaqs mit. Aber wie Bilam mit den Boten Balaqs dreinritt, da geriet der Ewige mächtig in Zorn, und ein Engel des Ewigen stellte sich dem Esel in die Quere. Und als die Eselin den Engel mit gezücktem Schwert sah, da wich die Eselin vom Weg ab und trabte übers Feld. Bil´am war darüber wütend und schlug die Eselin. Aber der Engel des Ewigen stand wieder da, rechts und links eine Mauer. Da drängte die Eselin so an der Mauer vorbei, dass sich Bil´am den Fuß einklemmte. Da schlug Bil´am die Eselin erneut, aber der Engel stellte sich wieder in den Weg, dort, wo die Eselin nicht mehr ausweichen konnte. Da legte sich die Eselin nieder, so dass Bil´am sehr zornig wurde und wieder auf das Tier einschlug.

Da machte es der Ewige, dass die Eselin sprechen konnte. Und sie sagte zu Bil´am: „Was schlägst du mich?“ Aber Bil´am schrie zurück: „Was machst du mit mir. Hätte ich ein Schwert, hätte ich dich längst getötet.“ Doch die Eselin entgegnete ruhig: „Bin ich nicht deine Eselin, auf der du reitest, seit du denken kannst? Habe ich jemals so etwas getan?“ Und Bil´am antwortete: „Nein, hast du nicht.“

Und da öffnete der Ewige auch Bil´am die Augen, so dass auch Bil´am den Engel des Ewigen sehen konnte. Und der Engel hatte ein Schwert in der Hand.

Da verneigte sich Bil´am tief und warf sich auf den Boden. Der Engel sagte zu ihm: „Warum hast du deine Eselin geschlagen? Ich bin doch dein Hindernis. Wäre die Eselin nicht ausgewichen, wärst du mir geradenwegs ins Schwert gelaufen.“

Da sah Bil´am, dass er einiges falsch gemacht hatte und sagte zum Engel: „Nun, wenn du möchtest, so kehre ich sofort zurück.“ Da antwortete der Engel: „Nein, jetzt bist du schon auf dem Weg. Geh mit den Männern mit. Aber nur das, was ich dir sage, darfst du tun. Nicht mehr!

Und so ging Bil´am mit zu Balaq.

Bil´am bei Balaq

Als nun Balaq erfuhr, dass Bil´am tatsächlich zu ihm kommen wollte, da kam er ihm entgegen und ließ ein großes Festessen zubereiten. Erst danach gingen sie weiter und kamen in das Gebiet Moavs, wo Balaq Bil´am auf seine Götzenhöhen führte.

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Dort gab Bil´am Anweisungen, dass man sieben Altäre aufbauen und dass man sieben Stiere und sieben Widder bringen solle. Dann sagte Bil´am zu Balaq: „Bleib bei deinem Opfer dort stehen. Ich will mal sehen, ob mir der Ewige schon etwas zu sagen hat.“

Und tatsächlich: Da redete G“tt mit Bil´am und legte ihm einige Worte in den Mund und sagte ihm: „Nur zu, geh zurück zu Balaq, und sage ihm genau das, was ich dir soeben gesagt habe.“

Und so machte es Bil´am auch. Er ging zurück zu Balaq. Und Balaq und all seine Fürsten standen noch bei den Opfern und warteten auf Bil´am.

Bilams Spruch

Da sagte Bil´am:
„Wie soll ich verfluchen,
wenn G“tt nicht verflucht,
verwünschen,
wenn G“tt nicht verwünscht?
Ich sehe ein Volk abgesondert,
es sitzt allein und will mit den andern nicht mittun.
Es ist zahlreich wie Staub
und du willst es zählen?
Riesengroß ist die Zahl Jisraels.

Als Balaq das hörte, schrie er auf: „Was hast du da getan? Ich habe dich geholt, dass du meine Feinde verfluchst. Und was tust du? Du segnest sie!“

Bil´am antwortete darauf: „Nun, ich musste sagen, was der Ewige mir eingab.“
Darauf sagte Balaq: „Nun gut. Komm mal mit, ich zeige dir einen anderen Ort. Dann kannst du die Jisraeliten besser sehen, vielleicht hilft es ja dann. Und wenn du sie siehst, dann verfluche sie von dort aus, von diesem neuen Ort. Der neue Ort ist bestimmt besser.“
Und so führte Balaq den Bil´am zu einem neuen Ort. Wieder ließ Bil´am sieben Altäre aufbauen, wieder opferte er auf jedem Altar einen Stier und einen Widder. Aber es änderte sich nichts. Was Bil´am da sagte, war kein Fluch über das Volk Jisrael, sondern wieder ein Segen. Er sagte nämlich:

Nein, kein Unheil sehe ich in Jaaqovs Stamm,
kein Leid erleidet Jisrael.
Jisraels G“tt, der Ewige, ist bei ihnen,
ihr G“tt, der sie aus Ägypten geführt hat,
ist nicht Zauber,
nicht Hexerei.

Und wieder schrie Balaq auf: „Von mir aus musst du das Volk nicht verfluchen. Aber segne es wenigstens auch nicht. Lass das!“

Und so ging es weiter. Balaq suchte einen neuen Ort aus, von wo aus Bil´am vielleicht besser fluchen könnte. Wieder wurden sieben Altäre gebaut, auf denen Stiere und Widder geschlachtet wurden.

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Dann schaute Bil´am hinunter über das Lager der Jisraeliten. Und da geschah es, dass dieses Mal der Geist G“ttes auf ihn kam, und sogleich fing Bil´am zu reden an:

Wie schön sind deine Zelte, Jaaqov,
wie schön deine Stätten, Jisrael,
wie ausgebreitete Täler,
wie grünende Gärten am Fluss,
wie Eichen, vom Ewigen gepflanzt,
wie Zedern am Wasser.
Von der Schöpfkelle rinnt das Wasser,
Wasser im Überfluss hat seine Saat.

G“tt hat es aus Ägypten geführt,
das Volk ist stark wie eine Löwin
Wer dich segnet, der ist gesegnet,
wer dir flucht, der ist verflucht.“

Da merkte Balaq, dass er nichts ausrichten konnte und dass Bil´am das Volk Jisrael immer nur segnen würde. Deshalb schickte er ihn wieder fort. Und Bil´am ging nach Hause.

Jisrael in Pegor

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Wieder einmal lagerte Jisrael in der Nähe eines Ortes. Da machten die Jisraeliten etwas, was G“tt sehr missfiel. Die Jisraeliten ließen sich nämlich mit den Leuten, die dort lebten, ein. Einige gingen sogar zu den Fremden nach Hause. Dort wurden sie eingeladen, bei den Opfermahlzeiten teilzunehmen. Und so aßen die Jisraeliten nicht nur, was ihnen verboten war, sie warfen sich, wie die Gastgeber auch, vor den fremden Göttern nieder. Und so machte sich Jisrael mit dem Baal-Peor, dem fremden Götzen, vertraut.

Als der Ewige das sah, wurde er sehr zornig *und schickte eine Seuche unters Volk*. Zu Mosche sagte er aber: „Sorge dafür, dass alle die, die bei den Fremden waren und sich vor den Götterchen niedergeworfen haben, gefunden werden. Die sollen nämlich erhängt werden.“

Pinchas´ Tat

Aber es ereignete sich noch etwas anderes: Ein Mann von den Kindern Jisraels kam gerade von den fremden Völkern zurück. Er hatte bei sich eine Midianiterin, die er zu seiner Familie bringen wollte. Nun sah das Pinchas, der Enkel Aharons und der Sohn Elasars. Schnell machte er sich auf, ein Speer in der Hand, und ging dem Jisraeliten und der Midianiterin hinterher und ging in das Zelt, in dem die beiden verschwunden waren. Sogleich erhob er den Speer und durchbohrte beide.

Und nach dieser Tat hörte die Seuche, die ausgebrochen war, auf zu wüten. Aber immerhin starben an der Seuche noch 24.000 Menschen.

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