Einleitung zu Paraschat Balak

In dieser Parascha steht vor allem die Geschichte von Bil´am und seiner Eselin im Zentrum, eine Geschichte, die religiöse Menschen immer wieder als anstößig empfinden, geht es doch darum, dass G“tt an Bil´am zwei Befehle erlässt, die sich aber selbst widersprechen: Er soll nicht zu Balaq gehen – er soll zu Balaq gehen. Aber bereits die Ausleger lenken den Blick weg von G“tt und hin auf Bil´am und weisen darauf hin, dass es eigentlich Bil´ams Problem ist, dass er zum zweiten Mal den Rat G“ttes einholt, als könnte sich der Rat G“ttes ändern. Deshalb erkennen die Ausleger hier die Sünde Bil´ams, dass er überhaupt ein zweites Mal nach dem Rat G“ttes fragt. Das könnte man aber noch weiterführen: Wer seine eigene Autonomie aufgibt und meint, er könne nur nach G“ttes Ratschlägen schielen, der kommt in massive Schwierigkeiten und verheddert sich sehr schnell in den Wirrungen der Realität. Das bedeutete, dass die Forderung, nach G“ttes Ratschlägen zu leben, nicht die Autonomie des Menschen aufgeben darf.

Wie ist dann aber die religiöse Wirklichkeit der Jisraeliten zu verstehen? Schließlich werden in dieser Parascha die Verfehlungen der Jisraeliten bezüglich des Baal Peor geschildert, wie sie sich also nicht nach den Geboten G“ttes richten und deshalb sofort bestraft werden. Aber das Nach-den-Geboten-leben ist kein abstraktes Handeln nach bestimmten Gesetzen, sondern hat mit der Realität dieses Volkes zu tun: In der vorangehenden Paraschat Chukkat wird erzählt, wie die Völker gegen die Eindringlinge aufbegehren, sie entweder nicht durch ihr Land ziehen lassen wollen oder sie gleich bekämpfen. Da ersheint es doch als realitätsfern, wenn sich kurz darauf die Jisraeliten mit den fremden Völkern abgeben und bei deren religiösen Veranstaltungen teilnehmen. Vielmehr gehört zur Realität der Jisraeliten, dass sie gerade durch die sehr strenge Führung Mosches durch die Wüste einigermaßen heil gekommen sind, dass sie nur deshalb ein gemeinsames Volk sind, weil sie die Erfahrung des Auszugs aus Ägpypten haben und auf der Grundlage eines gemeinsamen Gesetzes basieren. Nach den Geboten G“ttes zu leben erscheint danach also nicht als eine fremdbestimmte Forderung, sondern als die Konsequenz dessen, was die eigene Realität einfordert. Deshalb kann man auch sagen: Gebote G“ttes werden nicht einfach nur deshalb eingehalten, weil sie von G“tt stammen (das ist die verkürzte Ansicht von Bil´am: ohne meine eigene Realität schiele ich laufend nach G“tt), sondern weil das eigene Dasein ohne diese Gebote ein anderes wäre.

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