Einleitung zu Paraschat Bereschit

Einleitung

Bevor die Tora vom Volk Jisrael und den vielen Gesetzen für das Volk Jisrael erzählt, beginnt sie am äußersten Anfang: am Anfang der Welt. Das hat zunächst mit Jisrael nichts zu tun, denn dass die Welt erschaffen worden ist, betrifft alle Menschen, egal welcher Religion oder welchem Volk sie angehören. Und doch ist es wichtig, dass die Tora, das Gesetzbuch der Juden, an diesem Anfang einsetzt. Denn es ist Gott, so erzählt die Tora, der den Jisraeliten die Gesetze gegeben hat, derselbe Gott, der mit seiner Macht die ganze Welt erschaffen hat. Auf diese Weise bekommt die Tora eine ganz besondere Rolle für das Volk Jisrael zugewiesen. Manche Rabbinen haben das sogar so ausgedrückt, dass sie sagten, die Welt sei überhaupt nur deshalb erschaffen worden, damit dem Volk Jisrael die Tora gegeben werden und damit das Volk Jisrael die Gesetze einhalten konnte und kann.
Und weil die Geschichte der Menschheit nicht nur eine glückliche und zufriedene Geschichte ist, sondern auch ihre Schattenseiten hat (wie die Geschichte vom Gan Eden und von Qain und Hevel zeigen), bedarf es der Tora nach umso mehr eines Volkes, das diese Tora einzuhalten bereit und bemüht ist.

Die Tora selbst geht aber behutsam Schritt für Schritt vor: Zunächst erzählt sie von der Urgeschichte und stellt damit eine allgemeine Situation der Menschheit dar, dann erzählt sie von den Stammeltern, von denen dann das Volk Jisrael abstammt, dem später die Tora am Berg Sinai gegeben wird.

Die Tora will kein naturwissenschaftlicher Bericht sein und nicht davon erzählen, wie die Welt im Einzelnen entstanden ist. Ihr geht es allein darum, wie die Gesetzgebung am Berg Sinai ins Verhältnis zur Welt insgesamt gebracht werden kann. Deshalb sagt auch Raschi: Um der Tora willen wird die Welt erschaffen, und er stellt weiter fest, dass die Tora die Erschaffung der Welt nur in Bezug auf Jisrael erzählt. Die Erzählung von der Erschaffung der Welt hat also keinen eigenständigen Wert, etwa um zu wissen, wie die Welt erschaffen wurde. Raschi bezieht daher einzelne Aussagen immer wieder auf das Leben der Jisraeliten (z.B. sind die Gestirne für die späteren Festtage der Jisraeliten geschaffen worden; das Wort „Wimmeln“ wird später zur Unterscheidung bei erlaubten Tieren wichtig usw.).

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